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Schlesische Woiwodschaft

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3.4. Schlesische Woiwodschaft

Korfanty wurde zum Stellvertreter des Premierministers in der Regierung von Wincenty Witos (zuvor wurde die Kandidatur von Korfanty zum Premierminister zum zweiten Mal durch Piłsudski abgelehnt). Mit dem Scheitern der Regierung von Witos endete Korfantys politische Karriere in Warszawa. Er kehrte nach Oberschlesien zurück, wo er ein Abgeordneter des schlesischen Sejms war.106

Korfanty sprach sich für eine stufenweise Verflechtung Oberschlesiens mit Polen aus. Er war ein Gegner von radikalen Schritten, die die Einheit des oberschlesischen Industriegebietes zerstören konnten. Er widersetzte sich deshalb einer schnellen Übernahme aller wichtigen Posten in der Industrie und der Verwaltung durch Polen, vor allem durch solche, die das oberschlesische Volk nicht verstehen und die Kompliziertheit der Verhältnisse nicht kennen. Das brachte ihm viele Feinde im polnischen Lager.107

Korfanty war aber loyal gegenüber dem polnischen Staat. Als ihm die Engländer 1921 mehrere Male die Bildung eines Freistaates anboten, lehnte er diese Vorschläge ab. Ihm war auch klar, daß ein solcher Staat gegen die Angriffe der Nachbarstaaten wehrlos wäre.108 Auch die Lösung „Schlesien den Schlesiern“ wurde vom ihn nicht unterstützt. Den Zuzug von Lehrern und der Intelligenz aus anderen Gebieten Polens hielt er für erforderlich und für die nationale Integration sehr vorteilhaft.109

Er sprach sich auch für das friedliche Zusammenleben der Deutschen und Polen in der Schlesischen Woiwodschaft aus. Seiner Meinung nach sollte man alle Beschlüsse der Genfer Konvention erfüllen.110

Korfanty kritisierte die polnische Wirtschaftspolitik, vor allem zu Zeiten der Regierung von Władysław Grabski. Diese Politik treibe die oberschlesische Industrie in den Ruin. Die schlesische Woiwodschaft zahlte proportional viel höhere Steuern als andere Gebiete Polens.111

Nach dem Maiumsturz 1926, als Michał Grażyński, Korfantys persönlicher Feind aus der Abstimmungszeit, zum Woiwoden der Schlesischen Woiwodschaft von Piłsudski bestimmt wurde, setzte sich Korfanty für den Kampf um die Beibehaltung der schlesischen Autonomie ein. Es kam zur Annährung Korfantys und der separatistischen Bewegung von Kustos. Korfanty griff auch die antideutsche Politik Grażyńskis an.112

In dem 1927 erschienenem „Aufruf an das schlesische Volk“ attackierte Korfanty die polnische Politik gegenüber der Schlesischen Woiwodschaft. Die Vertretung der Oberschlesier in der Regierung sei nicht proportional zu dem materiellen Beitrag der Schlesischen Woiwodschaft zum nationalen Budget. Die westlichen Gebiete Polens seien besser entwickelt als der Rest. Man spürt auch seine Enttäuschung, die durch die Konfrontation des aus den Büchern entnommenen Bild Polens mit der gegenwärtigen Wirklichkeit und die Geringschätzung seiner Arbeit für die Gewinnung Oberschlesiens für Polen, entstanden ist.113

Für Korfanty war die schlesische Autonomie auch ein Mittel, das ihm einen offiziellen und legalen Kampf mit der Sanacja (Piłsudskis Regime) ermöglichte.

Als Gegner der Sanacja wurde Korfanty 1930 verhaftet und für ein paar Monate ins Gefängnis nach Brześć gebracht. Im Jahre 1935 verließ er Polen, um eine Wiederverhaftung zu verhindern, und emigrierte nach Prag. 1938 siedelte er nach Paris um. 1939 kehrte er nach Polen zurück, wo er wieder verhaftet wurde. Wegen seinem schwachen gesundheitlichen Zustand wurde er nach drei Monaten entlassen. Wojciech Korfanty starb am 17. August 1939. Nach seinem Tod verbreitete sich das Gerücht, daß seine Gefängniszelle mit einer Mischung aus Arsen und Farbe angestrichen war und seine Krankheit eine Folge der Arsenvergiftung war. Sein Begräbnis wurde zur Manifestation für seine Anhänger und gleichzeitig eine gegenSanacja gerichtete Demonstration.114

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