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Vorschläge zur Lösung der oberschlesischen Frage

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4.3. Vorschläge zur Lösung der oberschlesischen Frage

Der Bund der Oberschlesier bekam auch Unterstützung aus Kreisen der Industriebesitzer, die in der Schaffung eines unabhängigen Staates Oberschlesien die Möglichkeit sahen, die Kosten der deutschen Repatriationen vermeiden zu können. Die von dem BdO – ZG angesterbte Neutralität Oberschlesiens, das mit allen drei Nachbarstaaten durch Handelsverträge in loser Verbindung sein sollte, kam den Industriellen entgegen.

Der Bund der Oberschlesier hat schon die Grundrisse einer Verfassung für Oberschlesien vorbereitet. Danach sollte Oberschlesien eine demokratische Republik werden, wo der Präsident und die Abgeordneten vom Volk gewählt sein sollen.124

Die Mitglieder des BdO – ZG kannten sich in den oberschlesischen Verhältnissen sehr gut aus. Einen Monat vor der Abstimmung fand in Gleiwitz die dritte Konferenz des Bundes statt. Daran nahmen 337 Vertreter aus 198 Ortsauschüssen teil. Ewald Latacz hatte ziemlich genau das Abstimmungsergebnis prophezeit. Er stellte fest, daß keine der beiden Seiten, weder die polnische noch die deutsche, eine eindeutige Mehrheit erringen werde. Das werde zu einer Zerstückelung Oberschlesiens führen. Deshalb müsse man sich gemeinsam für den Kampf um die Neutralität Oberschlesiens einsetzen, um die Teilung zu vermeiden. Nach seiner Meinung, werde die knappe Abstimmungsentscheidung für eine der Seiten zu einem Krieg um Oberschlesien zwischen Polen und Deutschland führen.125

Aus einem Artikel, der drei Wochen vor der Abstimmung im „Bund – Związek” erschinen ist, kann man schlußfolgern, daß ähnlicher Meinung auch andere Mitglieder waren. In einem „Offenen Brief an die Hohe Interalliierte Kommission in Oppeln“126 wandte sich ein gewisser Horaczek aus Zabrze an General Henri Le Rond, er solle sich für die Neutralität Oberschlesiens einsetzen. Das sei die einzige Möglichkeit die Teilung Oberschlesiens zu verhindern. Diese Teilung werde eine natürliche Konsequenz des Abstimmungsergebnisses sein, in dem keiner der Seiten eine entscheidende Mehrheit gelingen werde.

Der Bund der Oberschlesier riet der Entente, die geplante Abstimmung zu widerrufen, da die oberschlesische Bevölkerung weder zu Polen noch zu Deutschland gehören wolle, sondern die Neutralität Oberschlesiens fordere. Man verlangte zumindest nach einer Möglichkeit, entweder für Polen, für Deutschland oder für einen oberschlesischen Freistaat zu stimmen. Die Separatisten organisierten im ganzen Oberschlesien Unterschriftaktionen für eine Petition an die Friedenskonferenz, um den 88. Artikel des Versailler Vertrages, der eine Entscheidung entweder für Polen oder für Deutschland ermöglichte, zu ändern und eine dritte Möglichkeit herbeizuführen.127

Kurz vor der Abstimmung hat der Bund der Oberschlesier eine Kommission nach Berlin und Warschau geschickt, die sich mit der jeweiligen Regierung treffen sollte und über die Autonomieversprechungen der beiden Seiten Auskunft bringen sollte. Diese Reise und die Versprechungen, die man erhalten hatte, konnte einer der Gründe dafür sein, daß kurz vor der Abstimmung im „Bund – Związek” für ein Land zu stimmen geraten wurde, in dem man besser Chancen zur wirtschaftlichen und kulturellen Entwicklung haben würde, womit man offensichtlich Deutschland gemeint hatte.

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