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Bund der Oberschlesier

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4.1. Die Entstehung und das Programm

Der „Bund der Oberschlesier – Związek Górnoślązaków” (BdO – ZG) wurde am Anfang Januar 1919 gegründet. Zu den Mitbegründern zählten die Brüder Johann und Thomas Reginek, Ewald Latacz, Anton Gemander und Viktor Durynek. Diese Männer waren zuvor Mitglieder der Zentrumspartei. Zum 1. Generalsekretär wurde Thomas Reginek ernannt, der aber bald in das polnische Lager wechselte. Zu seinem Nachfolger wurde Ewald Latacz bestimmt.115

Am 15. Januar 1919 wurde im „Oberschlesischen Kurier“ das Programm des Bundes veröffentlicht.116 Im ersten Punkt forderte man die Aufhebung der antipolnischen Ausnahmegesetze. Diese Gesetze erschwerten den Oberschlesiern mit der polnischen Muttersprache die Ausübung des Beamtenberufes sowie die Errichtung von neuen landwirtschaftlichen Betrieben. Der zweite Punkt forderte die Gleichberechtigung der beiden Sprachen im öffentlichen Leben. Der dritte Punkt war dem ersten Punkt der Breslauer Beschlüsse, der aber von der preußischen Regierung abgelehnt wurde, ähnlich. Man forderte die Besetzung der wichtigsten Stellen in der Provinz mit zweisprachigen Oberschlesiern unter der Berücksichtigung der Religionsverhältnissen. Der nächste Punkt bezog sich auf die Hoffmanschen Erlasse und unterstrich, daß in Oberschlesien keine Trennung von Kirche und Staat erfolgen werde. In dem fünften Punkt setzte sich der Bund für den Ausbau der sozialen Fürsorge ein. Im letzten Punkt forderte man vor allem die Unteilbarkeit Oberschlesiens. Wenn diese Provinz von Deutschland abgetrennt sein sollte, dann wollte der BdO – ZG einen neutralen Freistaat proklamieren, in dem alle Minderheiten geschützt werden. Im Laufe der Zeit ist dieser Punkt zu Leitforderung des Bundes der Oberschlesier geworden. Die Mitglieder waren sich dessen bewußt, daß die Teilung Oberschlesiens für die Bevölkerung sowie für die wirtschaftliche Entwicklung dieser Provinz der schlimmste Ausweg wäre.

Wie ernst die preußische Regierung dieses Programm nahm, zeugte ein Erlaß des Regierungspräsidenten von Oppeln, Walter von Miquel, der am 16. Januar 1919, einen Tag nach der Veröffentlichung des Programmes im „Oberschlesischen Kurier“, bekannt gegeben wurde:

Wer es unternimmt, Oberschlesien gewaltsam vom Deutschen Reiche loszureißen und einem fremden Staate einzuverleiben oder selbständig zu machen und jeder, der ein solches Unternehmen vorbereitet, begeht Hochverrat.117

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